Ausbildung am Boden (Teil1)

Ausbildung am Boden (Teil1)

Ausbildung am Boden

Gastbeitrag von Dr. Claudia Münch

Das Thema Bodenarbeit erfreut sich seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit. Besonders erfreulich ist, dass auch die FN auf diesen Trend reagiert hat und in die APO 2014 Bodenarbeit an vielen Stellen aufgenommen hat. Dazu zählen die Bodenarbeitsabzeichen Stufe 1 und 2 und die Ergänzungsqualifikation Bodenarbeit für Trainer. 

Ein Grund für die Etablierung der Bodenarbeit in die APO ist, dass der Nutzen sowohl für Pferd und Reiter sehr groß ist. Das Besondere der Bodenarbeit liegt sicherlich daran, dass sie disziplinenübergreifend ist. Es spielt keine Rolle, welcher Rasse das Pferd angehört oder welcher Reitweise man sich zugehörig fühlt: Die Bodenarbeit bietet für jeden etwas.

Ausbildung am Boden (Teil1)

Tolle Lektion am Boden:

Slalom mit 4 Pylonen und Wechsel von Vorwärtsseitwärts Übertreten und Vorwärtsseitwärts Folgen 

Natürlich ist die Welt der Bodenarbeit und das Angebot sehr vielfältig und dies sollte auch so bleiben. Allerdings ist es für die Ausbildung von Pferd und Mensch immer ratsam sich eine Trainingsmethode zu suchen, die einen selbst überzeugt und zu den eigenen Wünschen und zum Pferd passt. Dann ist es auch sinnvoll diesem roten Faden zu folgen, um das Pferd Schritt für Schritt auszubilden.

Das Ziel der Ausbildung am Boden ist es, vielfältige und anspruchsvolle Lektionen am Boden mit minimaler Hilfengebung zu trainieren. Sitzen die Grundlagen, gibt es ein sehr großes Repertoire an Übungen:

Seitengänge, die Arbeit im Trab und im Galopp, sowie das Training am langen Seil. Auch Zirkuslektionen, Stangen- und Geschicklichkeitstraining gehören zur Bodenarbeit. Die Königsdisziplin ist die Freiarbeit, in der man das Pferd ohne Seil und nur mit Körpersprache und Stimmkommandos lenkt, antreibt und verlangsamt.

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Traversale am Boden

Nutzen und Ziele
Der Nutzen der Bodenarbeit ist vielfältig und viele Pferdeliebhaber entdecken für sich ganz persönliche Vorteile:

Turniersportler berichten, dass ihr Pferd viel motivierter im Viereck mitarbeite, seit es zweimal proWoche Bodenarbeit macht. Andere berichten, dass die Schulung des eigenen Körpergefühls bei der Ausbildung am Boden auch die reiterlichen Fähigkeiten enorm verbessert habe.

Die Vorbereitung von jungen Pferden, also das Erlernen vieler Lektionen wie Übergänge, Stillstehen, Rückwärtstreten lassen, Vorwärtsseitwärts Übertreten lassen oder auch Schulterherein erleichtern das Anreiten immens und machen es vor allem auch viel sicherer.

Ein Schwerpunkt der Ausbildung am Boden liegt in der gymnastizierenden Arbeit und dies ist selbstverständlich für jedes Pferd wichtig, ob es mitten im Training steht, ob es evt. aus gesundheitlichen Gründen nicht geritten werden kann oder in höherem Alter so beweglich wie möglich bleiben soll.

Was benötige ich für die Ausbildung am Boden? – Grundsätzliches zur Ausrüstung und Hilfengebung

Um eine feine Abstimmung zwischen Pferd und Mensch zu erreichen, legen wir viel Wert auf die richtig sitzende Ausrüstung und den korrekten Einsatz der Hilfen.

Da es mir ein besonderes Anliegen ist, bei einer abwechslungsreichen Bodenarbeit das Gefühl für den richtigen Moment und die richtige Dosierung der Hilfengebung zu schulen, empfehle ich die Arbeit mit Knotenhalfter und Bodenarbeitsseil.

Wie immer bei der Ausrüstung von Pferden sind der korrekte Sitz und gute Materialen besonders wichtig. Wie bei den Quittpad-Produkten steht das Pferdewohl im Vordergrund.

Der korrekte Sitz eines Knotenhalfters:

  • Das Nasenteil des Knotenhalfters sollte immer über der Stelle liegen, wo das Nasenbein des Pferdes nur noch als Fortsatz vorsteht. In der Regel liegt diese Stelle etwa 2-3 Fingerbreit unter der Jochbeinkante. Die Knoten des Nasenteils dürfen sich niemals auf dem Nasenbein, sondern nur seitlich daneben befinden.
  • Das Nasenteil darf keinesfalls zu weit sein. Ist das Halfter zu groß, besteht die Gefahr, dass sich das Knotenhalfter am Kopf verzieht und ein Auge verletzt. Deshalb muss unbedingt darauf geachtet werden, dass zwischen Diamantknoten und Pferdekopf nur maximal 3 Finger passen.
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Korrekter Sitz des Knotenhalfters

No goes:   

  • Niemals dürfen Pferde am Knotenhalfter angebunden oder mit Knotenhalfter auf die Wiese gestellt werden. Ein Knotenhalfter hat keine Solbruchstelle und kann nicht wie ein Stallhalfter in gefährlichen Situationen reißen, daher gilt: Das Knotenhalfter wird ausschließlich für die Arbeit am Boden angelegt. Für den alltäglichen Umgang mit dem Pferd eignet sich ein Quittpad Cosy-Halfter sehr gut. Es zeichnet sich durch einen hohen Tragekomfort und eine sehr gute Druckentlastung im empfindlichen Nackenbereich des Pferdes aus. Zudem ist es bei 60 Grad waschbar und dadurch sehr hygienisch.
  • Selbstverständlich hat der Einsatz eines Knotenhalfters auch Grenzen. So sollte keinesfalls am Knotenhalfter longiert werden. Hier ist die oben aufgeführte Gefahr, dass das Knotenhalfter am Pferdekopf verrutscht und das Auge verletzt, zu groß.

Das Seil:
Bei dem Bodenarbeitsseil empfehle ich eine Länge von 3,7 m.  Dieses Maß lässt sich in große Schlaufen aufnehmen und ist auch für die Arbeit am langen Seil geeignet. Das Seil darf nicht zu leicht sein und sollte mit einem Lederschlag am Ende versehen sein. Bei den Haken gibt es unterschiedliche Modelle. Ich empfehle einen sogenannten Bullsnap mit Nase. Dieser liegt gut in der Hand und öffnet sich nicht von allein.

Das System der Hilfengebung
Die Hilfengebung in der Bodenarbeit ist immer eine Kombination aus:

  • Körpersprache
  • taktilen Hilfen
  • verbalen Kommandos

Meiner Ansicht nach sollte die Körpersprache immer die wichtigste Rolle einnehmen. Pferde sind Profis im Lesen von Körpersprache. Wenn es uns gelingt, unsere Körpersprache richtig einzusetzen und vor allem darauf zu achten, dass wir nicht missverständlich wirken, führt dies sehr schnell dazu, dass die Pferde mehr auf uns achten und auch feinste Nuancen lesen lernen.

Die taktilen Hilfen sind als Unterstützung notwendig, um den Pferden unsere Signale besser verständlich zu machen. Dazu zählen beispielsweise das Touchieren mit den Bodenarbeitsseil oder ein Impuls am Knotenhalfter.

Besonders wichtig ist mir, dass diese taktilen Hilfen innerhalb der Ausbildung immer mehr reduziert werden sollen. Verbale Kommandos sind in der Bodenarbeit extrem hilfreich. Hier sollten einige Grundregeln befolgt werden: Zunächst ist es wichtig sich für einige Kommandos, die gut auf einander abgestimmt sind, zu entscheiden und diese wirklich immer und im richtigen Moment zu verwenden.

Wie geht’s weiter? Teil 2: Tipps fürs Training – Wie beginne ich mit der Bodenarbeit?