Viele Pferde tragen im Sommer eine Fliegendecke oder Ekzemerdecke – und trotzdem bleiben die Probleme.
Häufig gehen Pferdebesitzer davon aus, dass eine leichte, luftige Fliegendecke kein Problem darstellt:
Mesh-Stoff, dünn, „atmungsaktiv“ – also sollte es darunter nicht zu warm werden.
Doch genau das ist oft ein Trugschluss.
Denn auch unter leichten Decken entsteht schnell ein Bereich, in dem sich Wärme und Feuchtigkeit sammeln können – unabhängig davon, wie „luftig“ das Material wirkt.
Die Folge:
- Das Pferd scheuert sich weiter
- Die Haut wird empfindlicher
- Manche Pferde wirken unter der Decke sogar unruhiger als ohne und versuchen, die Decke auszuziehen
Der erste Gedanke ist oft:
„Die Decke schützt nicht richtig.“
Noch stärker ausgeprägt ist dieses Problem bei Ekzemerpferden:
Diese sind im Sommer auf eine Ekzemerdecke angewiesen. Nur so lässt sich der Kontakt mit Gnitzen – dem Hauptauslöser des Sommerekzems (Sweet Itch) – wirksam reduzieren.
In vielen Fällen liegt die Ursache aber woanders.
Das eigentliche Problem liegt unter der Decke
Eine Decke schützt vor Insekten.
Aber sie verändert immer auch das Klima auf der Haut.
Unter der Decke entsteht ein abgeschlossener Raum:
- Wärme staut sich
- Feuchtigkeit kann sich aufbauen
- Luft bewegt sich kaum
Insbesondere bei Ekzempferden ist das kritisch – aber auch bei gesunden Pferden ist das eine Belastung für den Organismus.
Denn die Haut reagiert nicht nur auf Insektenstiche –
sondern auch auf das, was danach passiert:
Wärme + Feuchtigkeit + Druck + Reibung
Ein warmes, feuchtes Milieu kann die Haut zusätzlich belasten und bestehende Reizungen verstärken.
Hitze ist eine Belastung für den Organismus.
Steigt die Körpertemperatur über etwa 39 °C, gerät das Pferd bereits in einen Bereich erhöhter Belastung.
Gleichzeitig kann sich unter einer Decke ein Mikroklima entwickeln, das deutlich wärmer ist als die Umgebung – selbst bei moderaten Außentemperaturen.
Zudem zieht Schweiß die Insekten vermehrt an – ein Teufelskreis.
Entscheidend ist nicht die Außentemperatur – sondern ob das Pferd Wärme unter der Decke noch abgeben kann.
Ein Pferd überhitzt nicht bei einer bestimmten Außentemperatur – entscheidend ist, ob es die entstehende Wärme noch abgeben kann. Wird Wärme unter der Decke gespeichert und Feuchtigkeit nicht abtransportiert, kann es auch bei moderaten Temperaturen zu einer deutlichen Belastung kommen.
Die mechanische Belastung wird oft unterschätzt
Die mechanische Belastung durch die Decke selbst:
Ekzemerdecken werden häufig über viele Monate hinweg nahezu durchgehend getragen – in der Regel über 23 Stunden täglich und über Zeiträume von bis zu 7 Monaten.
Dabei wirken kontinuierlich:
- Zugkräfte über Brust- und Bauchverschlüsse
- Druck auf den Widerrist und die Dornfortsätze entlang der Wirbelsäule
- Scherkräfte durch Bewegung und Reibung
Diese Belastung ist nicht punktuell, sondern dauerhaft.
Gerade im Bereich des Widerrists und der Dornfortsätze kann das zu einer kontinuierlichen Überlastung führen – insbesondere, wenn Zugkräfte nicht sauber abgeleitet werden.
Eine funktionierende Decke muss deshalb nicht nur das Klima unter der Decke berücksichtigen –
sondern auch, wie Kräfte über längere Zeit auf den Körper des Pferdes wirken.
Was biologisch im Pferd passiert
Der Auslöser des Sommerekzems (Sweet Itch) ist klar:
Insektenstiche – insbesondere durch Gnitzen (Culicoides).
Eine allergische Reaktion der Haut.
Entscheidend ist jedoch, was danach passiert.
Die Stärke der Reaktion hängt nicht nur vom Stich selbst ab, sondern von mehreren Faktoren:
- Zustand der Haut (intakt oder bereits geschädigt)
- Feuchtigkeit
- Temperatur
- Reibung
- mikrobielles Milieu auf der Haut
Einfluss des Klimas unter der Decke
Ein warm-feuchtes Mikroklima unter der Decke kann die Reaktion der Haut deutlich beeinflussen.
Es kommt unter anderem zu:
- erhöhter Hautdurchlässigkeit
→ Reize wirken stärker auf die Haut - verstärkten Entzündungsprozessen
→ Juckreiz nimmt zu - Veränderungen der Hautflora
→ zusätzliche Irritationen sind möglich - Aufweichung der Haut (Mazeration)
→ die Haut wird empfindlicher gegenüber Reibung - Begünstigung von mikrobiellen Prozessen (z. B. Pilz- oder bakterielle Besiedlung)
→ insbesondere bei dauerhaft feuchtem Hautmilieu - Reizung der Haarfollikel durch Feuchtigkeit, Wärme und mechanische Belastung
→ die Haut wird empfindlicher, Haare lockern sich leichter und Scheuern wird verstärkt
Die Reaktion auf den Insektenstich wird nicht nur ausgelöst –
sondern durch die Bedingungen auf der Haut zusätzlich verstärkt und verlängert.
Warum „atmungsaktiv“ oft nicht ausreicht
Viele Decken werden als „atmungsaktiv“ beschrieben.
Das klingt gut – löst das Problem aber oft nicht.
Denn:
Atmungsaktiv bedeutet nur, dass Luft oder Feuchtigkeit durch das Material diffundieren kann.
Es bedeutet NICHT, dass sich unter der Decke wirklich Luft bewegt.
In der Praxis entsteht häufig:
- eine stehende Luftschicht
- gespeicherte, aufgestaute Wärme
- langsam abtrocknende Feuchtigkeit
Gerade bei Sonneneinstrahlung, Hitze oder schwülwarmem Wetter kann sich dieser Effekt deutlich verstärken.
Fliegendecke vs. Ekzemerdecke – wo liegt der Unterschied?
Fliegendecken sind meist:
- luftiger
- weniger dicht
- aber oft mit geringerer Schutzwirkung
Ekzemerdecken hingegen:
- sind deutlich dichter
- bieten besseren Schutz vor Gnitzen
- reduzieren aber in der Regel die Luftbewegung stärker
- üben Zugspannung über die Wirbelsäule aus
Das führt zu einem Zielkonflikt:
Mehr Schutz = oft weniger Klimaausgleich
Warum manche Pferde sich trotz Decke weiter scheuern
Wenn die Haut unter der Decke:
- warm
- feucht
- leicht gereizt
bleibt, entsteht genau das, was eigentlich verhindert werden soll:
Juckreiz bleibt bestehen oder wird sogar verstärkt
Das Pferd reagiert – trotz Decke.
Zusätzlich können weitere Faktoren eine Rolle spielen, die oft unterschätzt werden:
- Reibung und elektrostatische Aufladung können die Haut zusätzlich reizen
- UV-Strahlung kann die ohnehin empfindliche Haut weiter belasten
Gerade bei Ekzempferden ist die Haut häufig bereits vorgeschädigt –
jede zusätzliche Belastung kann den Juckreiz verstärken.
Die entscheidende Frage ist also: Wie funktioniert das Mikroklima unter der Decke?
Egal ob Ekzemerdecke oder Fliegendecke – entscheidend ist nicht nur der Insektenschutz,
sondern was unter der Decke passiert.
Eine funktionierende Decke muss mehr leisten als nur Schutz:
- Sie darf die Wärme nicht stauen
- Sie muss Feuchtigkeit abführen können
- Sie sollte Luftbewegung ermöglichen
Entscheidend ist nicht nur das Material –
sondern die gesamte Konstruktion.
Ansatz: Klima statt nur Schutz
Ein funktionierendes System berücksichtigt:
- Luftzirkulation bei Bewegung
- schnelle Ableitung von Feuchtigkeit
- schnelle Ableitung von Wärme
- möglichst wenig Reibung auf der Haut
- Schutz vor Zugspannung
- speichert kaum Regen / Wasser und ermöglicht dem Pferd nach dem Regen das Abdampfen und die Thermoregulation
Das Ziel ist kein „luftiger Stoff“,
sondern ein stabiles Hautklima unter Belastung.
Auf den Punkt gebracht
Der Auslöser sind die Insekten –
wie stark die Haut reagiert, wird jedoch oft durch das Klima unter der Decke mitbestimmt..
Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten:
„Wie gut schützt die Decke vor Insekten?“
sondern vor allem:
„Was passiert unter der Decke – wie ist das Mikroklima?“
Wenn du verstehen möchtest, wie eine Decke konstruiert sein muss, damit Wärme und Feuchtigkeit aktiv abgeleitet werden, findest du hier mehr:
Zur Quittpad® Graphene Fliegendecke
Zur Quittpad® Ekzemerdecke

